gedrucktes Buch vs. eBook

Neben den handelsüblichen Paperbacks und Hardcover-Büchern findet das Ebook, das elektronische Buch, immer größeren Zuspruch.

Die ganze Diskussion erinnert an die Zeiten als die CD das Vinyl und die Mp3, somit der PC, die CD als Hauptspeichermedium für Musik und gesprochene Inhalte ablöste. Die Panik war letztendlich größer als notwendig. CDs und Vinyl gibt es immer noch, und selbst Kassetten finden sich in den meisten Haushalten. Meist hat man das da, womit man aufgewachsen ist.

Was aber macht den Reiz für viele aus?

Buchliebhaber werden sagen: ” Pfui, eBook, so etwas kommt mir nicht zwischen die Hände, das riecht ja nicht nach Papier und einen schönen Einband hab ich auch nicht dabei. Und was, wenn der Akku mal leer ist, oder der Sohnemann das tolle Lesegerät doch mal schrottet? Kann ja alles vorkommen! Technik ist soo anfällig.” oder etwas gemäßigter und wie eine Freundin es in Bezug auf das kindle und seinem ePaper (in etwa) ausdrückte: ” Ja, wenn ich mit dem eBook auch im Dunklen lesen könnte, dann wäre das ein Mehrwert und ich hätte längst eines. Solange ich eine externe Lichtquelle brauche, sehe ich keinen Nutzen.”

Die andere Seite sieht das wahrscheinlich eher so: “Super, endlich muss ich mich nicht mehr krummschleppen, denn so ein kindle oder iPad ist ja schön leicht (zumindest im Fall des kindles, das iPad ist schon recht schwer), billiger isses langfristig auch, zumindest beim kindle und auf meinem Regal habe ich eh keinen Platz für Bücher, da muss meine Actionheldfigurensammlung stehen.”

Ich finde beide Seiten haben nicht ganz Unrecht. Ein eBook-Reader, so nennen sich die Geräte oder auch Programme ersetzen nicht das sinnliche Gefühl, dass ein “richtiges” Buch hervorruft, aber mit ihnen lassen sich gleich mehrere Lieblingstitel immer mitnehmen, ohne dass der Rücken kracht. In der Anschaffung sind kindle und Co. kostenintensiv. Das günstigste kindle gibt es ab 99,00 €, bei einem iPad muss natürlich tiefer in der Tasche gegriffen werden.

Ich gehöre zur Gruppe, die in der Fachsprache als “frühe Mehrheit” bezeichnet wird. Ich teste gerne mal die neuesten technischen Sachen aus, bin aber auch totaaaal nostalgisch und würde meine Büchersammlung niemals hergeben — also, latent konservativ bzw. traditionell, aber offen für Neues. Ein wenig Show muss ja auch dabei sein.

Ich finde das Lesen auf einem beleuchteten Hintergrund, wie im Falle des iPads, eher anstrengend als angenehm. Bei direkter Sonneneinstrahlung sieht man auf dem Bildschirm so gut wie gar nichts, weil das Glas zu zu sehr blendet. Da ist das kindle eindeutig im Vorteil, aber wie gesagt, damit kann ich nicht im Dunklen lesen. Vielleicht wären im Dunkeln leuchtende Buchstaben eine Option — nein? Auch gut.

Während der Bereich Belletristik auf dem deutschen Markt noch einiges aufzuholen hat, lohnen sich Elektronische Bücher besonders im Themengebiet Technik, Internet, Programmierung und Co.

Diese Bereiche sind schnellen Veränderungen unterlegen und oft ist die käufliche Literatur zu Programmierung und Webdesign nicht eben billig, hier punkten eBücher, denn sie lassen sich mit einem kleinen Update, schnell auf den neuesten Stand bringen und sind oft um mehr als ein Drittel billiger.

Die Belletristik der deutschen Verlage ist selten viel billiger, in einigen Fällen kostet das eBook sogar genauso viel wie das Printmedium. Meistens sind es 1,- bis 2,- die eine kindle-Version weniger kostet. Aber wie gesagt, auch hier finden sich ab und zu Schnäppchen. Man muss sich einfach mal ein wenig im kindleshop umschauen.

Anders sieht das bei Büchern aus dem englischsprachigen Raum aus, in den USA gibt es das kindle bereits seit 2009 und es gibt deutlichere Unterschiede zwischen elektronischer und gedruckter Version. Hier können teilweise sogar mehr als ein Drittel des Preises eingespart werden.

Amazon bietet aber auch Bücher kostenlos an, meist alte Klassiker, deren Lizenzen verjährt sind, sogenannte gemeinfreie Werke.

Viele Verlage suchen mittlerweile auch den virtuellen Weg, bewegen sich in sozialen Netzwerken und bieten Non-Print-Medien an.

Gerade der mittelständische Buchhandel hat natürlich Angst, dass ihre Geschäfte unter dem eCommerce leiden. Viele bauen sich daher eigene Internetpräsenzen auf, in deren Rahmen auch Onlinebestellung aufgenommen werden.

Ich glaube, man sollte sich, wenn auch mit Vorsicht, durchaus auf neue Sachen einlassen und probieren, ob sie in das eigene Konzept passen. Es wird immer Menschen geben, die das althergebrachte schätzen und lieber direkt beim Laden um die Ecke ihre Bücher kaufen.

Eines haben eReader und gedruckte Bücher allemal gemeinsam: Sie halten keinem Regenguss stand und auch den wenigsten Übergriffen kleine Kinder.

Aufgrund von Typografie-Schwächen und Formatierungsdilemma ist das Lesevergnügen mit einem gedruckten Buch für mich persönlich höher.

ABER: In welcher Form letztendlich gelesen wird sollte doch eigentlich nicht das Thema sein — Hauptsache es wird gelesen.

Zur Diskussion findet sich auch ein Artikel des Goethe Instituts aus dem Sept. 2011 hier. Das Thema ist also nichts Neues, aber immer interessant, weil es einige Reibungspunkte bietet.

One comment

  1. tom

    ich persönlich finde das Lesen auf dem neuen Ipad3 durchaus genial. Zugegeben in der direkten Sonne ists nicht das wahre, obwohl da auch reinweisses Papier blenden kann. Es ist sicher noch zu teuer um als massengerät ersatz für althergebrachte Bücher oder Zeitschriften zu sein. Auch am Strand würde es sich nicht anbieten – die Geräte müssen einfach noch viel robuster und preiswerter werden.
    Die extrem hohe Auflösung macht das lesen aber echt unvergleichlich zum herkömlichen Monitor.
    Das kindle besticht ja gerade durch sein fehlendes Leuchten. allerdings ist mir die Auflösung hier noch zu niedrig, A4 Pdf lesen ohne Zoom geht nur auf dem neuen ipad3…

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